Was müssen Buchhersteller liefern, um die Anforderungen der Verlage zu erfüllen?

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Einleitung: Das Verlagswesen verändert sich

Director, Print Research International Ltd

John Charnock, Director, Print Research International Ltd

Es ist klar zu erkennen, dass sich das Verlagswesen der Gegenwart im Wandel befindet. Zuerst traf es Musikverlage, anschließend Zeitungsverlage und nun müssen auch Zeitschriften- und Buchverlage feststellen, dass sich ihre Märkte bis zur Unkenntlichkeit verändern. Diese Veränderungen sind ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite bieten sie wichtige Chancen, auf der anderen Seite müssen wir mit ansehen, wie traditionelle Volumen dahinschmelzen und althergebrachte Fertigungsmodelle immer weniger in die heutige Zeit passen.

Herkömmliche Produktionsausrüstung kann nicht mehr an diesen sich ändernden Markt angepasst werden. Ich bezweifle, dass eine Bindelinie mit einem Durchsatz von 30.000 Büchern pro Stunde, wie die Müller Martini Corona, die ich vor 10 Jahren bei einem der größten britischen Buchhersteller installiert habe, jemals wieder einen Käufer findet – denn sie wird nicht mehr benötigt.

Warum? Nun, die Anforderungen der modernen Buchverlage ändern sich, und als Lieferanten müssen wir uns anpassen.

In der Vergangenheit bestanden Buchauflagen aus 2.000 bis 3.000 Exemplaren und diese wurden als Massengut in die Lager der Verlage geliefert. Verlage hielten einen Bestand von mehreren Millionen Pfund in ihren Lagerhäusern vor. Die Mengen und Margen waren ausreichend, um vierteljährlich zu produzieren und einzulagern. Heutzutage unterliegen Verlage starkem finanziellen Druck und eBooks drücken die Preise, wodurch der Markt weniger vorhersehbar geworden ist. Ein großer Bestand und das Risiko, auf diesem sitzen zu bleiben, machen diese Lösung für heutige Verlage immer unattraktiver.

Obwohl normale Aufträge über 500 Drucken, gefertigt auf traditioneller Ausrüstung, nicht ungewöhnlich sind, ist ein Trend zu kleineren Mengen und häufigeren Bestellzyklen doch offensichtlich. Wo aber geht dieser Trend hin und was erwarten Verlage auf lange Sicht?

Was ist der Heilige Gral für Verlage?

Einfarbige Bücher haben sich am schnellsten verändert. Da sie relativ günstig sind, ist es bei ihnen am schwierigsten, die Umsätze vorherzusagen Nach wie vor wird ein großer Anteil der in Großbritannien verkauften einfarbigen Bücher auch im Land selbst produziert, während farbige Bücher zumeist in fernöstlichen Ländern mit niedrigem Kosteniveau gefertigt werden..

Lassen Sie uns zunächst die einfarbigen Bücher betrachten: In Großbritannien gab es bedeutende Investitionen in digitale, einfarbige Bücher, wobei Clays, CPI und viele andere wie Ashford und TJ International in Tintenstrahldruckproduktion investiert haben. Diese Investitionen zeigen, dass der Markt der einfarbigen Bücher vor allem auf der On Demand-Herstellung für den Einzelhandel basiert.

Ich glaube, dass sobald sich die Lieferkette für einfarbige Bücher verfestigt hat, es nicht lange dauern wird, bis der Markt für farbige Bücher in eine ähnliche Richtung gehen wird.

 

Der Grund für diese Annahme lautet:

Verlage müssen auf den Markt reagieren, Umsätze sind weniger vorhersehbar und es wird immer schwerer einzuschätzen, welche Titel erfolgreich sein werden und welche nicht. Ein Verleger sagte mir einmal: „Ich habe 5.000 Titel, ich weiß, dass 30 % Topseller sein werden, aber ich weiß nicht, welche 30 % es sein werden.“

Wir wissen auch, dass es drei Tage dauert, ein Buch an ein Verlagslager zu liefern und zu bearbeiten. Anschließend dauert es drei Tage, um es weiter zu verteilen. Sechs Tage sind in der heutigen Verlagswelt einfach zu viel! Verlage müssen auf den Einzelhandels- und Internet-Umsatz der Vorwoche schauen und für die nächste Woche bestellen oder auffüllen können. So einfach ist das.

Das heißt, dass wir letztendlich Bestellungen von 200 bis 500 Büchern in einem 3-Tage-Zyklus als Minimum herstellen müssen, selbst mit der traditionellen Ausrüstung. In Zukunft wird auch der Druck bestehen, eine erhöhte Verfügbarkeit zu bieten, um Verlage im erforderlichen Umfang bedienen zu können. Das bedeutet, dass die digitale Farbproduktion eine Grundvoraussetzung sein wird. (Meiner Erfahrung nach, kann Litho das einfach nicht.)

Die eingeschalteten Drucker tragen dieses Prinzip eine Stufe weiter. Wenn ein Drucker eine Bestellung innerhalb von 3 Tagen bearbeitet, warum ist es dann nicht möglich, das Distributionssystem und Lager des Verlags zu umgeben und direkt in die Läden zu liefern? Nicht als Einzelaufträge, sondern als gemischte Chargen basierend auf den in dem Geschäft verkauften Titeln in der Vorwoche.

Wenn das mit minimalen Auswirkungen auf die Stückkosten möglich ist, wäre das der „Heilige Gral“ für Verlage. Ich denke, dies findet in einigen Bereichen bereits statt. Meiner Meinung nach ist dies der Grund, warum Penguin/Harper Collins alle Sortimentstitel von einem Vertrag mit zwei Lieferanten (St Ives, Clays und CPI) auf einen Vertrag mit einem Lieferanten (Clays) geändert haben. Weniger Lieferanten bedeuten eine bessere Effizienz in Produktion und Distribution.

Das heißt, dass Druckereien wöchentlich oder täglich Bestellungen von 5 bis 500 Büchern drucken müssen. Aber diese Bestellungen belaufen sich auf ein hohes Gesamtvolumen über das ganze Jahr gesehen, da der Markt viele Millionen Bücher pro Jahr konsumiert.

Das erfordert, dass die digitale Buchproduktion sich für diese Herausforderung rüstet – was sie auch bereits tut.

Hin zur Farbe

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Sobald durch die Tintenstrahlproduktion für die Verlage akzeptable Farben erzeugt werden, gibt es keinen Grund mehr, warum eine Buchdruckerei nicht auf Farbe umstellen und die Mehrzahl der nachgefragten Titel für den Markt liefern sollte. Dies ist eine große Chance für diese Unternehmen, denn farbige Bücher haben einen höheren Wert und sie können damit einen Markt bedienen, der ihnen bis dahin verschlossen war.

Digitaler Tintenstrahldruck ist vorhanden und viele Buchdruckereien bilden sich in diesem Bereich fort, um Verlagen die Möglichkeit anzubieten, die Produktion von farbigen Büchern aus China nach Großbritannien und Europa zurück zu holen.

Das geht jedoch nicht ohne einige Herausforderungen:

  • Damit farbige und einfarbige Bücher in einer Fertigungsstätte produziert werden können, muss es wesentliche Veränderung in der Infrastruktur geben. Es werden hochwertigere Systeme, bessere Arbeitsabläufe und ein vollständig integriertes Vertriebssystem benötigt, das sich in die ERP-Systeme der Verlage und Einzelhändler einfügt.

 

  • Der Markt für Farbdruck fordert eine wesentlich höhere Farbqualität. Deshalb müssen das Farbmanagement und eine chargenübergreifende Konsistenz sichergestellt sein. Die Angst der Verlage ist, dass die Qualität ihrer Markennamen und -autoren leiden könnte. Farbige Bücher müssen, ungeachtet ihres Produktionsprozesses, durch die Öffentlichkeit weiterhin als hochwertig wahrgenommen werden.

 

  • Die Produktionsausrüstung muss automatisierter und flexibler und in der Lage sein, nahtlos von einem Format zum anderen zu wechseln. Papierwechsel und Abschnittslayouts müssen mindestens Formate wie B, Royal, A4 und A5 verarbeiten können.

 

  • Die Logistik zur Verfolgung von Signaturen, Einbänden, Umschlägen und Hüllen sowie die Platzierung der richtigen Komponente am richtigen Ort zur richtigen Zeit müssen optimiert werden, um effizient und mit minimalem Abfall produzieren zu können. MIS, Barcode- und Signaturerkennung, motorisierte Wechsel, JDF und geräteübergreifende Kommunikation sowie die Einbindung von externen Datenquellen – Spediteure und Einzelhandelssysteme müssen mitmachen, damit die Lieferkette störungsfrei funktioniert.

Warum das alles?

Das alles scheint hohe Investitionen, viel Aufwand und eine wesentliches Risiko für alle Beteiligten zu beinhalten. Aber die Vorteile sind genauso groß. Man muss nur daran denken, dass Clays einen 100%-Liefervertrag mit Penguin/Random House abgeschlossen hat. Das heißt, dass der Anbieter von Druckdienstleistungen ein noch wichtigerer Partner für den Verlag wird. Sobald die Lieferkette steht und der Verlag Einsparungen erzielt, wird die Druckerei zum Logistikpartner, strategischen Partner und Lieferanten, der in die Auflage und Verteilung eingebunden und letztlich dafür verantwortlich ist, dass der Verlag in einem schwierigen Markt wettbewerbsfähig ist.

Wenn ich hinsichtlich des farbigen Tintenstrahldrucks Recht habe, wird ein großer Teil der Farbbuchproduktion aus Fernost und anderen Regionen auf den lokalen Markt zurückkehren, wodurch eine traditionelle Buchdruckerei wesentlich wachsen kann. Schließlich sind in Großbritannien und Europa nicht mehr viele traditionelle Buchdruckereien vorhanden.

 

Dieses Lieferkettenmodell wird es Verlagen ermöglichen, mehr Titel bei geringerem vorgelagertem Risiko zu veröffentlichen. Außerdem wird dadurch Einzelhändlern die Möglichkeit eröffnet, vor Ort und als Selbstverlag zu produzieren. Damit wird das Buch gegenüber anderen elektronischen Veröffentlichungstechnologien sehr wettbewerbsfähig gemacht.

Eine weitere Möglichkeit stellt die Öffnung alter Kataloge dar, damit die Verlage ihre Vermögenswerte optimal nutzen und Druckereien Einzelexemplare herstellen und vielleicht direkt an den Kunden liefern können. Da, wo die Lieferkette und die Dauer bis zur Veröffentlichung länger ist, könnten neue Produkte wie personalisierte Bücher, besonders für Kinder, ein normaler Weg sein, Mehrwert bei etwas zu erzielen, was mal ein Massenprodukt war. Genauso könnten Buchläden zeitkritischere Produkte wie Magazine und Zeitungen anbieten.

Mit den Veränderungen in der Lieferkette im Verlagswesen werden mehr Produkte lokal produziert werden, um die zeitkritischen Bedürfnisse der Verlage zu erfüllen.

John Charnock
Print Research International Ltd

 

Dieser Artikel wurde von Ricoh in Auftrag gegeben und bietet unabhängige Meinungen von Branchenexperten. Wir hoffen, dass die Ansichten unseres Gastreferenten für Sie interessant und anregend waren. Über Ihr Feedback würden wir uns sehr freuen.

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