Sind Sie Teil des Problems oder bereits Teil der Lösung?

[GÄSTE-BLOG]

Graham Reed, Berater bei Print Tribe, Director bei Global Print Strategies

Graham Reed, Berater bei Print Tribe, Director bei Global Print Strategies

Seit vielen Jahren wird mit dem Digitaldruck ein kosteneffektiver und umfassender Druckprozess versprochen. Es ist nicht zu leugnen, dass dieses Ziel die Druckbranche nachhaltig verändert hat. Das Konzept vollständig variabler Inhalte, die sich in einem kurzen Produktionsverfahren erzeugen lassen, haben die Fantasie von zahlreichen Marketingunternehmen und Druckanbietern beflügelt: Visitenkarten mit Bildern, Flyer, die sich inhaltlich an Nischenzielgruppen anpassen lassen, oder personalisierte Verpackungen – die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

Diese Möglichkeiten richtig zu nutzen, ist jedoch nicht immer einfach. Ich bin mir nicht sicher, ob Marketingunternehmen und Brand Manager das volle Potential und die finanziellen Vorteile erkennen, die mit einer echten personalisierten persönlichen Kommunikation verbunden sind. Oder liegt es daran, dass Vertriebsmitarbeiter im Druckbereich mit der Mentalität „Geben Sie mir Ihre Angaben und ich nenne Ihnen den Preis“ kein überzeugendes Angebot entwickeln können, das über den Preis und standardisierte Produkte hinausgeht?

Wenn wir uns auf die Frage konzentrieren, warum der variable Datendruck (VDP) und medienübergreifende Lösungen von Marketingunternehmen nicht angenommen werden, stellen die preisbasierten Einwände eine Reaktion dar, die auf allgemeine und tiefergehende Probleme im eigenen Unternehmen hinweisen. Diese können zweierlei Art sein: Entweder wurde das Konzept nicht verstanden, oder das Unternehmen verfügt nicht über die erforderlichen Infrastrukturen oder Prozesse, um Daten kosteneffizient und integriert erfassen und filtern zu können.

Immer wieder beklagen sich CMOs und CEOs bei mir darüber, dass ihre Daten gerade einmal dazu ausreichen, um auf einem einfachen Anschreiben die Adresse und Anrede zu variieren. Wie kann die Druckbranche dieses Problem lösen? Meiner Meinung nach müssen wir unseren Kunden den Weg aufzeigen und sie über die Best Practices und Vorteile vollständig personalisierter Druckangebote aufklären. Wir müssen deutlich machen, dass Personalisierung bei Marketing- und Kommunikationsprojekten bessere finanzielle Ergebnisse mit sich bringt.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir uns von der verbreiteten Mentalität, alles über den Preis zu regeln, schnell verabschieden!

Um mit integrierten Drucklösungen eine langfristige Kundenbindung zu unterstützen, benötigen wir neues unternehmerisch denkendes Vertriebspersonal, das Angebote erstellen kann, die wirklichen Mehrwert im Druckprozess erzeugen und so dem Kunden messbare finanzielle Vorteile bieten. Nur wenn wir als Aufklärer und Experten für datenbasierte Technologien auftreten, können wir diese Chance nutzen.

Der nächste Schritt besteht in der Entwicklung einer überzeugenden Lösungsarchitektur, welche den Nutzen von Daten, medienübergreifenden Kampagnen, Web-to-Print (W2P) und zielgruppenspezifischer variabler Datendruck für Unternehmen deutlich macht. Eine Lösung, die relevant und auf die Anforderungen von CMOs zugeschnitten ist, kann überzeugende Ergebnisse liefern und die Erfassung zusätzlicher Daten ermöglichen, mit denen sich die Kommunikation mit Endkunden weiter optimieren lässt.

Ohne Zweifel verfügen wir über die richtige Technologie dazu. Wir müssen sie allerdings auch richtig verkaufen.

Der vollständige Bericht Wir müssen den Mehrwert von digitalen Drucklösungen hervorheben“, kann von Ricoh Business Driver-Nutzern abgerufen werden. Alternativ können Sie eine Kopie anfordern, indem Sie das folgende Formular ausfüllen.

Der vollständige Bericht „Wir müssen den Mehrwert von digitalen Drucklösungen hervorheben“

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Neueste Trends in der Verpackungsindustrie – eine Chance für Akzidenzdruckereien?

GAST-BLOG

Fotobücher, Transpromo, Verpackungen … Unzählige  Werbebroschüren und Pressemitteilungen berichten von diesen und ähnlichen Zukunftsmärkten für den Digitaldruck. Aber sehen Druckdienstleister in solchen Anwendungen tatsächlich Wachstumschancen? Und kann man überhaupt von ihnen erwarten, sich auf solch ungewohntem Terrain zu behaupten? Bei allem Wirbel findet der Verpackungsdruck die vielleicht geringste Beachtung – zumindest was die konkrete Umsetzung anbelangt. 

Der Markt für Verpackungsdruck

Zunächst einmal gilt es zu bestimmen, wo überhaupt die Marktchancen für digitalen Verpackungsdruck liegen. Realistisch gesehen kommen die meisten „Schnelldreher“ – Konsumgüter mit hoher Verkaufsfrequenz – in den Regalen der Supermärkte derzeit nicht in Betracht. Zu groß sind die Stückzahlen, zu vielfältig die Formate und Substrate, und die für den Digitaldruck unrentablen Rohstoffpreise tun ein Übriges. 

Wo kommt der Digitaldruck ins Spiel?

Und dennoch: Bei einer ganzen Reihe von Verpackungsanwendungen scheint der Digitaldruck gegenüber dem Offset-, Tief- oder Flexodruck – den klassischen Verfahren des Verpackungsdrucks – durchaus im Vorteil. Die Pharma- und Kosmetikbranche beispielsweise benötigt  große Mengen hochwertiger Verpackungen in relativ kleinen Auflagen. Von Verpackungsherstellern erwarten sie in der Regel kurze Lieferzeiten, Umgang mit variablen Daten für unterschiedliche Sprachversionen und Inhaltsstoffangaben sowie Maßnahmen zum Schutz vor Produktpiraterie – geradezu ideal für den Digitaldruck. Doch auch andere Branchen dürften von Zeit zu Zeit, beispielweise im Zusammenhang mit termingebundenen Aktionen und Events, den Digitaldruck zu schätzen wissen – insbesondere seine Wendigkeit hinsichtlich kleinerer Auflagen, Branding und Versionierung sowie die Fähigkeit zur On-Demand-Produktion mit reduzierter Lagerhaltung.

Konventionelle Verpackungshersteller sind meist keine Allrounder, sondern Spezialisten – beispielsweise für Wellpappe, Faltschachteln, Etiketten oder flexible Verpackungen. Dabei arbeiten sie in der Regel im Flexo- oder Offsetdruck, kaum aber im Digitaldruck. Für Digitaldruckdienstleister entstehen so immer wieder lohnende Nischen, die jedoch genutzt sein wollen: Wer größere Aufträge auf dem konventionellen Verpackungsmarkt gewinnen möchte, muss sich als kompetenter, glaubwürdiger Partner präsentieren. Unabdingbar ist der Ausbau der Finishing-Dienstleistungen, denn mit dem Druck allein ist es nicht getan: Die meisten Verpackungsanwendungen erfordern Stanzung, Kaschierung, Lackierung, Prägefoliendruck, Verklebung, Sichtfenster oder Sicherheitsmerkmale in verschiedenen Kombinationen. Hinzu kommt: Verpackungshersteller sind – anders als reine Akzidenzdruckereien, deren Blickfeld meist auf den Auftraggeber beschränkt bleibt – Teil einer Lieferkette. Es gilt, mit den Wertschöpfungspartnern zusammenzuarbeiten und ihre Anforderungen – beispielweise hinsichtlich Qualität und Logistik – zu berücksichtigen.

Auf Innovationskurs

In einer Erhebung zu Trends unter Verpackungseinkäufern im Jahr 2012 fragte Packaging News/easyFairs nach den wichtigsten Anreizen für Innovationen bei Verpackungen. Am häufigsten wurden genannt:

 

Eines ist klar: Bei all diesen Faktoren kann Digitaldruck eine wichtige Rolle spielen. Nicht nur verspricht er Kosteneinsparungen in der Produktion und Effizienzgewinne in der Lieferkette, sondern auch eine Reduzierung der CO2-Emissionen. Kleinere Auflagen – nach Wunsch mit Personalisierung oder Versionierung – sind eine Selbstverständlichkeit, während Print-on-Demand eine deutliche Verringerung der Produktionskosten, der Lagerhaltung und des Materialverbrauchs in Aussicht stellt. Maximieren lassen sich diese Vorteile durch automatisierte Workflows zur Rationalisierung der Auftragsbearbeitung unter Reduzierung manueller Arbeitsschritte.

Akzidenzdruckereien mit Kapazitäten im Digitaldruck verfügen häufig über voll automatisierte Workflows – in aller Regel mit umfassendem Farbmanagement – zur Gewährleistung einer konstant hohen Druckqualität. Dieser hohe Automatisierungsgrad geht mit beachtlichem Know-how im Umgang mit variablen Daten einher – ein wesentlicher Vorteil gegenüber konventionellen Verpackungsherstellern, die gewöhnlich nicht nur bei den Kapazitäten im Digitaldruck, sondern auch bei der Automatisierung und Fähigkeit zum Datenmanagement hinterherhinken.

Der Markt für digitalen Verpackungsdruck steckt noch in den Kinderschuhen, legt jedoch ein beachtliches Wachstum an den Tag, das in erster Linie von Etiketten, Faltschachteln und Wellpappeverpackungen getragen wird. Bis zum September 2014 dürfte er nach Schätzungen von InfoTrends weltweit eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 15 % verzeichnen (Digital Packaging, Making it Work*). Der optimale Einstieg für Akzidenzdruckereien liegt darin, sich kleineren Markenartiklern als alleiniger Ansprechpartner anzubieten – für die verschiedensten Drucksachen von Etiketten und Faltschachteln über POS-Displays hin zu Marketingmaterialien.

Was bringt es Markenartiklern?

Der wesentliche Vorteil des Digitaldrucks für kleinere Markenartikler liegt in einer flexibleren Produktion bei kontrollierbareren Ausgaben für Marketing und Verpackungen.

Von den Stückkosten hin zu den Gesamtkosten über die Lieferkette – nach und nach verlagert sich der Blickwinkel der Markenartikler, und entsprechend wächst ihr Interesse am Potenzial des Digitaldrucks zur Lieferkettenoptimierung durch Effizienzsteigerung und Kostenreduzierung. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigen Web-to-Print-Systeme, die bereits zahlreiche neue Geschäftsmodelle hervorgebracht haben. Große Mengen an digital bedruckten Verpackungen – beispielsweise mit individueller Gestaltung für Pralinen, Becher oder Kosmetika oder mit Versionierung für EDV-Produkte – werden schon heute auf diesem Weg gehandhabt. Druckdienstleistern eröffnet sich damit ein enormes Potenzial zur Rationalisierung des Verpackungsdrucks, um einerseits ihren Zielgruppen attraktivere Preise zu bieten und andererseits die eigene Ertragslage zu verbessern.

Beispiele für Digitaldruck in der Verpackungsindustrie

Strategie für den Markteintritt

Druckdienstleister, die langfristig im Verpackungsdruck auf Expansionskurs gehen möchten, benötigen zunächst einmal eine klare Geschäfts- und Marketingstrategie. Wesentliche Elemente sind:

  • Marktanalyse zur Eingrenzung der Zielgruppen
  • Zusammenstellung eines erfolgversprechenden Produktmix
  • Profilerstellung für Interessenten („Passen wir zusammen?“)
  • Aufstellung einer Vertriebsstrategie und Bestimmung geeigneter Vertriebskanäle
  • Bestimmung nötiger Investitionen in den Maschinenpark und Workflow
  • Bestimmung von Dienstleistungen mit Mehrwert und Produkten mit attraktiven Margen
  • Überlegungen, wie sich die Lebenszykluskosten der Produkte durch Digitaldruck minimieren lassen
  • Konzeption neuer Produkte, die im On-Demand-Digitaldruck besonders nachhaltig produziert werden können

Der Digitaldruck ist in den Wertschöpfungsketten der Verpackungsindustrie ganz sicher nichts Neues, doch bisher ist seine Bedeutung weitgehend auf einige „Randgebiete“ – Proofing, Prototypen, Verkaufsmuster – beschränkt geblieben. Dies ist im Begriff sich zu ändern: Je mehr der Digitaldruck in Sachen Produktionstempo, Druckqualität und Materialspektrum zulegt, desto größer wird seine Attraktivität für Haupt- und Nischenanwendungen des Verpackungsdrucks.

Keine Frage: Der Verpackungsmarkt wird weiter kontinuierlich wachsen. Für digitalisierte Akzidenzdruckereien, die bereit sind, Neuland zu betreten, tun sich enorme Expansionschancen auf. Dies erfordert einen Sprung nach vorn – doch mit findigen Ideen und einer sorgfältigen Planung, die das Potenzial des Digitaldrucks voll ausschöpfen, ist er weniger groß, als die meisten vielleicht annehmen.

Neil Falconer, Strategieberater für die Druckindustrie und Geschäftsführer von Printfuture.com

Neil Falconer

Printfuture

*Quelle: InfoTrends: Digital Packaging: Making It Work (verfügbar im Portal „Business Driver Programme“ von Ricoh)

 Dieser Artikel wurde im Auftrag von Ricoh verfasst. Mit Gastbeiträgen wie diesem möchten wir Ihnen Standpunkte unabhängiger Branchenkenner näherbringen. Hoffentlich finden Sie die Lektüre interessant und anregend! Über Rückmeldungen würden wir uns freuen. 

Weitere Informationen zu Ricohs Lösungen und Initiativen im Verpackungsdruck finden Sie unter Ricoh.de/printandbeyond.

Schlanke Produktion – der beste Weg zur Nachhaltigkeit

Neil Falconer, Strategieberater für die Druckindustrie und Geschäftsführer von Printfuture.com

GAST-BLOG

Bei meiner Beratungstätigkeit für mittelständische Druckdienstleister und meinem regelmäßigen Austausch mit ihnen sind Umweltanliegen in den letzten Jahren in den Hintergrund getreten. Wie kommt das? Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage sind vielen Auftraggebern Kosteneinsparungen wichtiger als Umweltverträglichkeit. Nach wie vor liegt dem Markt etwas  an Nachhaltigkeit – aber meistens nur, wenn andere dafür zahlen. Die Schwierigkeit für Druckdienstleister liegt darin, dass ihre Zielgruppen sich zwar gerne als umweltbewusst vermarkten – und deshalb beispielsweise auf Drucksachen aus recyceltem oder zertifiziertem Papier Wert legen – es ansonsten aber mit der Nachhaltigkeit nicht ganz so genau nehmen (einmal abgesehen von eigentlich selbstverständlichen Maßnahmen wie dem Recycling von Papierabfällen im Büro). Immer wieder haben unsere zahlreichen Umfragen unter Druckdienstleistern ergeben, dass ein Aufpreis für Nachhaltigkeit für die meisten Auftraggeber nicht in Betracht kommt. Ganz selbstverständlich wird erwartet, dass der Auftragnehmer eventuelle Mehrkosten im Rahmen der Betriebsausgaben bestreitet. Doch das Dilemma der Druckindustrie – umweltverträglicher zu produzieren, ohne dass die Kosten steigen – ist zugleich eine Chance: nämlich zur Effizienzsteigerung im Rahmen einer schlanken Produktion.

Genau diese Chance lässt sich die Mehrheit der Druckdienstleister bisher entgehen. Umweltinitiativen sind nämlich nicht – wie wir bei unseren Umfragen immer wieder hören – grundsätzlich mit Mehrkosten verbunden: Vielmehr bieten sich die Prinzipien der schlanken Produktion („Lean Manufacturing“) an, um durch eine wesentliche Reduzierung der Ressourcennutzung, des Materialverlusts und der CO2-Emissionen in Sachen Nachhaltigkeit in die Offensive zu gehen – und gleichzeitig die Ertragslage zu verbessern. Kurz, Verschlankung ist eine echte Win-Win-Strategie – mit messbaren Ergebnissen in betriebswirtschaftlicher wie auch ökologischer Hinsicht. Ein weiterer Aspekt ist Vermarktung: Von Zertifizierungen wie FSC, PEFC oder ISO 14001 einmal abgesehen, lassen die Websites der meisten Druckdienstleister Angaben zu Umweltaktivitäten weitgehend vermissen. Nur die wenigsten Unternehmen nutzen ihren Webauftritt zum Dialog über ihre Initiativen, ihre Ziele und ihr Abschneiden im Umweltbereich. Genau dies aber wäre ausgesprochen wichtig: Immer öfter sind es in unserem Zeitalter des „Inbound Marketing“ nämlich Online-Recherchen der Interessenten, die den Ausschlag für ein bestimmtes Unternehmen geben. Da Nachhaltigkeit nach wie vor ein wesentliches Kriterium ist (immer vorausgesetzt, dass sie sich nicht auf den Preis auswirkt), kann es sich durchaus bezahlt machen, das eigene Umweltengagement ins rechte Licht zu rücken. Zudem ist damit zu rechnen, dass potenzielle Auftraggeber Begriffe wie „nachhaltig“ oder „umweltverträglich“ in Suchmaschinen eingeben. Druckdienstleister, die sich in dieser Hinsicht nicht vermarkten, laufen Gefahr, gar nicht erst gefunden zu werden.

Seinen Ursprung hat das Konzept des „Lean Manufacturing“ zwar in der Automobilindustrie (bereits ab 1910 kamen ähnliche Prinzipien bei der Ford Motor Company zum Einsatz), doch auch bei Druckdienstleistern jeder Größe hat es in den vergangenen 20 Jahren – insbesondere durch Bestrebungen der Branchenverbände – Bedeutung erlangt. Erstaunlich ist daher, dass nur wenige Druckdienstleister publik machen, wie sie durch „Lean Manufacturing“ ihre Umweltauswirkungen reduzieren. Bei „Vision in Print“, dem Lean-Manufacturing-Programm des Verbands der britischen Druckindustrie, lässt sich beobachten, dass es sich bei solchen Projekten nicht selten um „Eintagsfliegen“ handelt: Statt um kontinuierliche Verbesserungen – auch in Sachen Nachhaltigkeit – geht es in erster Linie um kurzfristige Maßnahmen zur Kostenreduzierung und Effizienzsteigerung. Über kurz oder lang lässt der Eifer nach, die Standards sinken, und das Hauptaugenmerk richtet sich wieder auf andere Aktivitäten. So ergab beispielsweise unlängst ein Audit bei einem Druckdienstleister, der 3 Jahre zuvor verschiedene Lean-Manufacturing-Maßnahmen eingeführt hatte, einen klaren „Rückfall“: Der Materialverlust war erneut gestiegen, die Auslastung der Betriebsmittel drastisch gesunken, und zahlreiche weitere Leistungskennzahlen wurden nicht einmal mehr beobachtet. Erst eine Rückbesinnung auf die Lean-Manufacturing-Prinzipien brachte weitere Erfolge: eine höhere Effizienz bei niedrigeren Kostensätzen – gepaart mit der Möglichkeit, die durch „Lean Manufacturing“ verbesserte Umweltleistung gebührend zu vermarkten.

Die goldene Regel einer schlanken Druckproduktion lautet „Nur drucken, was wirklich gebraucht wird“. Ziel ist die Minimierung des Energie- und Materialverbrauchs, der Lagerhaltung und Transportwege – unter gleichzeitiger Reduzierung manueller Arbeitsschritte. Digitaldruck und automatisierte Workflows werden dabei großgeschrieben: Als Voraussetzung für eine automatisierte Verarbeitung von PDF-Dateien, Online-Proofing und Print-on-Demand haben sie wesentlichen Anteil an der Eliminierung manueller Schwachstellen, Verkürzung der Rüstzeiten und Verringerung des Materialverlusts.

Doch auch Maßnahmen, deren Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Effizienz weniger offensichtlich ist, spielen eine Rolle. Ein Musterbeispiel ist das Farbmanagement: Kalibrierung und Profilierung zur Abstimmung zwischen der Druckvorstufe einerseits und Digital- und Offsetdruckmaschinen andererseits gewährleisten eine auf Anhieb erwartungsgemäße Druckausgabe – unter Minimierung der Einrichtemakulatur und des Energieverbrauchs. Eines ist klar: Mangelnder Ehrgeiz in Sachen „Lean Manufacturing“ – und damit Effizienz und Nachhaltigkeit – kann die Wettbewerbsposition eines Druckdienstleisters verschlechtern. Dabei arbeiten nicht wenige Unternehmen viel nachhaltiger, als sie selbst annehmen – ganz einfach, weil Maßnahmen, die eigentlich zur Kostenreduzierung ergriffen werden, eben in aller Regel effizient und nachhaltig sind. Hinzu kommt: Das Recycling – von Druckplatten über Löse- und Farbmittel hin zu Papier, Paletten, Verpackungsmaterialien und Kunststoffabfällen – ist in den meisten Unternehmen zur Routine geworden, ohne dass sein ökologischer Nutzen systematisch bilanziert wird.

Der vielleicht augenfälligste Trend unter unseren Kunden ist die Mischung unterschiedlicher Kommunikationskanäle. Ob Print (Offset für herkömmliche Großauflagen, Digitaldruck für On-Demand-Kleinauflagen) oder elektronische Medien wie SMS, E-Mail oder Webcontent: Druckdienstleistern bietet sich heute eine ungeahnte Vielfalt von Verarbeitungs- und Ausgabeverfahren, aus denen sie je nach Situation das wirtschaftlichste und nachhaltigste auswählen können. In vielen Fällen wird sich der Digitaldruck mit Inline-Weiterverarbeitung anbieten – als Chance, die Druckproduktion im Rahmen des „Lean Manufacturing“ so effizient, umweltverträglich und kosteneffektiv wie irgend möglich zu gestalten. Die Vorteile im Überblick:

  • Steigerung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit durch Reduzierung des Materialverbrauchs (gedruckt wird nur, was wirklich gebraucht wird)
  • Möglichkeit zur Minimierung der Lagerhaltung (vor Ort und in Warenlagern) und damit des Wertverlusts
  • Höhere Energieeffizienz des Digitaldrucks, Wegfall der Druckplatten und Chemikalien
  • Reduzierung der Makulatur, des Rüstaufwands und des Energieverbrauchs (beim Druck wie auch der Inline-Weiterverarbeitung)
  • Integration des Digitaldrucks mit Online-Medien zur Auswahl des jeweils effizientesten, umweltverträglichsten Marketingverfahrens
  • Digitaldruck kann an verschiedenen Stellen innerhalb der Wertschöpfungskette eingesetzt werden  – Reduzierung der Transportwege und des Logistikaufwands

Ein weiterer zentraler Aspekt des „Lean Manufacturing“ ist eine effiziente Ressourcennutzung. Produktion einer gegebenen Menge unter minimalem Einsatz von Rohstoffen, Wasser und Energie – diese Strategie dürfte im Lauf der Zeit zu einer erheblichen Verringerung der Betriebsausgaben führen. Zwar erfordert die Reduzierung des Ressourceneinsatzes durch Prozessoptimierung ein Engagement auf längere Sicht, doch der Nutzen – sowohl hinsichtlich der Kosteneinsparungen als auch der Nachhaltigkeit der Druckerzeugnisse – ist wesentlich größer als bei einer alleinigen Konzentration auf Abfall und Ausschuss. Druckdienstleister, die im Rahmen einer Lean-Manufacturing-Strategie rationeller und umweltverträglicher produzieren möchten, werden ein umfassendes Beratungsangebot vorfinden. Die meisten Hersteller und Branchenverbände sind entweder selbst mit Rat und Tat zur Stelle oder können geeignete Schulungs- oder Beratungsleistungen empfehlen.

Dieser Artikel wurde exklusiv für Ricoh verfasst.

Einblicke in Print and Beyond:   http://ricoh.de/services-loesungen/production-printing/print-and-beyond/

Übersetzt durch duomedia